Berlin, 14.  Oktober 2019. Nach der furchtbaren Tat von Halle schießt sich Bundesinnenminister Seehofer (CSU) nun auf die Gamer-Szene ein und fordert umfassende Kontrollen, wobei insbesondere Online-Plattformen im Fokus stehen. Bundesvorstandsmitglied Dr. Alice Weidel sieht darin einen typisch Seehoferschen Aktionismus, der – wie so oft – verbal deutlich übers Ziel hinausschießt: „Horst Seehofer bedient sich in gewohnt populistischer Weise Ressentiments, mit denen wie bei vorherigen Amokläufen pauschal auf die Gamer in Deutschland eingedroschen wird. Das geht nicht nur am Ziel vorbei, sondern wird weder den Opfern des Anschlages noch dem Antisemitismus, dem sich die jüdische Gemeinde in Deutschland auch durch Seehofers Politik zunehmend ausgesetzt sieht, gerecht.

Augenscheinlich sind dem Innenminister die Dimensionen, die die Spieleszene hierzulande hat, nicht bekannt. Denn mehr als 34 Millionen Menschen in Deutschland nutzen Konsolen, Rechner oder mobile Endgeräte, auf denen die unterschiedlichsten Titel gespielt werden. Im Jahr 2018 wurden Spiele und Zubehör im Wert von 4,37 Milliarden Euro umgesetzt, was einer Mehrwertsteuer-Einnahme von etwa 830 Millionen Euro entspricht, unzählige Arbeitsplätze hängen von dieser Branche ab. Im Laufe der letzten Jahre wurde die Spieleindustrie zu einem immer wichtiger werdenden Wirtschaftsfaktor und Garant für klingende Staatskassen.

Schon daran erkennt man, wie unqualifiziert Seehofers Äußerungen sind. Statt ein Pauschalurteil zu fällen, muss zunächst überprüft werden, in welcher Form und warum sich der Attentäter Stephan Balliet radikalisiert hat, um solche Taten zukünftig zu verhindern. Nach jetzigem Stand handelt es sich bei ihm um einen Einzeltäter, der den Hass auf Juden und Migranten als Ventil für das eigene Lebensversagen genutzt hat – und eben nicht um einen Konsolenspieler, der erst durch einen Egoshooter radikalisiert wurde“, sagt Weidel.

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